Verbundenheit macht stark

Ver | band, der ; Substantiv, maskulin

= von mehreren kleineren Vereinigungen, Vereinen, Klubs o.Ä. oder von vielen einzelnen Personen zur Durchsetzung gemeinsamer Interessen gebildeter größerer Zusammenschluss.

Oder, wie unser CEO Jörn Huber Verband definiert:
„Ein Zusammenschluss von Menschen oder Unternehmen, die in Teilen gleiche Werte und gleiche Herausforderungen haben, welche sie allein nicht bewältigen können.“

Und er sollte es wissen, denn er war schließlich zehn Jahre lang im Vorstand des Branchenverbands fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft (ehemals FAMAB Kommunikationsverband e.V.). Die letzten sieben davon hatte er den Vorsitz inne, im November letzten Jahres legte er sein Amt nieder. Wir haben mit ihm über die Weiterentwicklung des fwd: gesprochen und wollten wissen, welche weiteren Pläne er selbst nun hat.

Jörn, nach zehn Jahren im Vorstand des fwd: bist du seit nunmehr zwei Monaten Vorstandsvorsitzender a.D. Wie fühlt sich das jetzt an für dich?

Es ist noch immer ein komisches Gefühl, denn für mich war die Arbeit im Verband von Anfang an mehr als nur ein Job. In den letzten zehn Jahren ist viel passiert und wir haben gemeinsam als Team einiges erreicht, worauf wir stolz sein können. Der Abschied, vor allem auch auf der Jahreshauptversammlung, war schon sehr emotional, denn – von der Arbeit einmal abgesehen – habe ich viele interessante Menschen getroffen, konnte wertvolle Kontakte knüpfen und auch enge Freundschaften schließen.

Neben vielen Veränderungen und Herausforderungen, die diese Zeit geprägt haben, waren vor allem die letzten 2 1/2 Jahre während der Pandemie besonders herausragend. Danach von gefühlt 200 auf fast Null zurückzufahren, fühlt sich noch immer irgendwie seltsam an.

Wenn du auf die Zeit zurückblickst, was wird dir am stärksten im Gedächtnis bleiben?

Die Menschen, die ich über meine Tätigkeit kennengelernt habe, der Austausch mit ihnen und der Moment während der Pandemie, indem mir bewusst wurde, wie groß die Verantwortung ist, die wir für die gesamte Branche haben. Und ich muss sagen, dass ich auch stolz darauf bin, wie ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen den Verband und somit auch die Branche in den letzten Jahren weiterentwickeln durfte.

Heute wissen wir, dass die größte Herausforderung ganz am Anfang der Pandemie darin bestand, die Politik auf die Veranstaltungsbranche als Wirtschaftszweig aufmerksam zu machen, da sie uns gar nicht auf dem Schirm hatte. Wie bewertest du das im Nachhinein?

Das war natürlich fatal, aber es gab auch gute Gründe, weswegen das so war. Der Hauptgrund dafür liegt in der Heterogenität und Fragmentierung dieser Branche, wir haben einfach ein unfassbar breites Spektrum: Von Solo-Selbständigen bis zu internationalen Konzernen, Agenturen, Kommunikationsspezialist*innen, Messebau- und Cateringfirmen, Techniker*innen, Künstler*innen, Dienstleistungsunternehmen. Dazu zahlreiche, unterschiedliche Schwerpunkte, die Kultur, Freizeit und B2B umfassen und von Betriebsfeiern über Stadtfeste oder Weihnachtsmärkte zu Konzerten, Kongressen, Messen, Corporate Events und Sportveranstaltungen reichen. Es war also für Politik und Gesellschaft schwer, uns überhaupt als Ganzes zu erfassen und zuzuordnen.

Was bedeutet das für die Zukunft? Wie gehen wir am besten damit um?

Zunächst einmal ist wichtig zu verstehen, dass partikuläre Interessen eine starke übergeordnete Interessenvertretung benötigen, andernfalls ist es kaum möglich, Gehör zu finden. Das haben wir während der Pandemie gelernt. Das Problem war und ist, dass die vorhandenen einzelnen kleinen Gruppen oder Interessenvertretungen in der Regel nicht über genügend Ressourcen verfügen, um gegenüber der Politik sowohl ihre eigenen als auch übergreifende Bedarfe des gesamten Wirtschaftszweigs zu vertreten.

Nur, indem wir dann über die Kampagne #AlarmstufeRot gemeinsam, laut und mit einer Stimme gesprochen haben, ist es uns gelungen, auf uns aufmerksam zu machen und die Branche schlussendlich zu retten. Dennoch ist es wichtig, dass vor allem die individuellen Bedürfnisse einzelner Gruppen oder Segmente zum Tragen kommen und eine Plattform haben.

Und wie kann dieser Spagat zwischen einer homogenen ggf. eher kleinen Interessenvertretung und einem übergeordneten, starken Verband mit heterogenen Mitgliedern gelingen? Finden sich die Menschen und Unternehmen denn darin überhaupt wieder?

Wir wissen, dass aktuell ca. 90% unserer Branche nicht organisiert sind, trotz einer hohen Zahl an Verbänden, die meisten davon auf ein Branchensegment zugeschnitten. Offensichtlich ist allerdings die bestehende Verbandslandschaft für viele nicht attraktiv oder der Mehrwert nicht ersichtlich genug. Das macht es schwierig, ihre Interessen zu vertreten. Und die aktuellen Herausforderungen lassen sich eigentlich nur gemeinsam lösen.

Mit der Transformation vom FAMAB in den fwd: wollen wir genau dieses Dilemma auflösen. Wir sind zwar bereits seit Jahren ein Querschnittsverband – übrigens der einzige in der Branche – aber wir müssen uns noch weiter öffnen. Unser Ziel ist, allen innerhalb der Branche eine Plattform, um nicht zu sagen ‚Heimat‘, zu bieten. Das realisieren wir, indem wir innerhalb des Verbands einzelne Communitys gründen. Homogene Gruppen können sich gemeinsam über ihre ähnlich gelagerten Interessen austauschen, beraten lassen oder auf sie zugeschnittene Weiterbildungs- oder Informationsprogramme besuchen. So ist man inhaltlich unter seinesgleichen, befindet sich jedoch auch in einem großen starken heterogenen Verband. Über crossfunktionalen Austausch, Themenscouting, gemeinsame Projektarbeit oder Diskussionen zwischen den einzelnen Communitys bzw. innerhalb des Gesamtverbandes lernen wir die Bedürfnisse, Herausforderungen und Herangehensweise der einzelnen Segmente besser kennen – eine Grundvoraussetzung, um Brücken zu schlagen, wie ich meine, und eine notwendige Basis, um Synergieeffekte zu erzielen.

Das sind spannende Entwicklungen. Was sind denn deine zukünftigen Pläne? Wird Jörn Huber als „past president“, wie es im Englischen heißt, dabei lediglich stiller Beobachter sein?

Absolut nicht, im Gegenteil. (lacht) Wer mich kennt, weiß, dass ich zu viel Herzblut für die Themen habe. Ich werde genau das Thema des Community-Aufbaus inhaltlich mitgestalten, mit Fokus auf eine Gruppe, die meiner Meinung nach bis dato noch überhaupt keine Beachtung in unserem Wirtschaftszweig findet.

Wen meinst du, wer fehlt?

Für mich gehört in die Veranstaltungsbranche auf jeden Fall auch der Endkunde. Wenn wir die gesamte Wertschöpfungskette betrachten, muss er zwingend mitberücksichtigt werden, denn er steht ja vor genau den gleichen Problemen wie wir. Ob es nun Konzernabteilungen sind oder die öffentliche Hand, Ministerien oder Institutionen, auch hier gab es während der Pandemie Stillstand, Entlassungen oder Abwanderungen und die Challenge, von Live-Veranstaltungen zu digitalen Events zu switchen. Aktuell kämpfen auch sie mit der Lieferkettenproblematik, dem Fachkräftemangel und der Kostenexplosion.

Wenn es uns gelingt, diese Gruppe einzubinden, untereinander stärker zu vernetzen und mit den Expert*innen der anderen Communitys zusammenzubringen, werden wir eine enorme qualitative Weiterentwicklung innerhalb der gesamten Branche erfahren. Austausch im Sinne eines Think Tanks, Unterstützung, Zuwachs an Know-How und Expertise im Umgang mit Events und deren Einsatz, all das wird meiner Meinung nach einen immensen Impact auf das gesamte Business haben. Die Vorteile liegen meiner Meinung nach klar auf der Hand: Alle können von allen profitieren und lernen, denn die unternehmensseitigen Eventabteilungen haben mittlerweile auch eine große Expertise aufgebaut. Wir können ein besseres Verständnis über die Bedarfe und Anforderungen unserer Kund*innen erlangen. Und die wiederum sind immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, Trends und Entwicklungen früh zu erkennen und tiefere Einblicke in Eventabläufe und mögliche Umsetzungsherausforderungen zu erlangen.

Es bleibt also zukünftig spannend bei dir. Was sind die nächsten Schritte in dieser Entwicklung?

Mir ist wichtig, dass die Mitglieder ihre Communitys selbst gestalten. Sie definieren ihre Themen, sie bestimmen Ausrichtung, Bedarf und Interessen. Zukünftige Mitglieder sollen sich wohl und gut betreut fühlen. Das setzt voraus, dass jede*r entsprechend der individuellen Interessen und dem Wunsch nach Aktivität partizipieren kann. Wir geben dem Ganzen die dafür notwendige Struktur, arrangieren Treffen, regen Austausch auch zwischen den einzelnen Communitys an, bieten unterschiedliche Mitgliedsmodelle an. Dafür müssen im Vorfeld Gespräche geführt und all diese Themen eruiert werden.

Ich möchte auch hiermit alle einladen, sich gerne direkt bei mir zu melden, wenn sie hieran Interesse haben, ansonsten werde ich in den nächsten Wochen auch sicher auf jeden, der hierfür in Frage käme, zugehen. Denn eines weiß ich ganz sicher: die Stärke unserer Branche liegt in Verbundenheit und Solidarität und nicht zuletzt auch in der Unterschiedlichkeit der Menschen und Unternehmen, die ihr angehören.

Vielen Dank, Jörn, für das ausführliche Gespräch – und viel Erfolg beim Community-Aufbau!

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