Von Wildgänsen und McDonalds

Er ist Mathematiker, Philosoph und ehemaliger CTO bei IBM. Gunter Dueck, dem sie bei IBM den Spitznamen „Wild Duck“ verliehen haben, begann seine Keynote bei SHIFT2019 mit dem Sinnbild von Kierkegaards Wildgänsen, um uns auf deren Schwingen mit auf den gedanklichen Weg in die digitale Transformation und den Wandel in der Wirtschaft zu nehmen. Die entscheidende Frage dabei: Wildgans oder Mastgans?! Dann legte er richtig los mit seiner ebenso scharfsinnigen wie -züngigen Analyse des Status Quo. Er ist überzeugt, dass Unternehmen mit ihrer unablässigen Optimierung der Prozesse und ihrem stetigem Antreiben ("Wir hören das Knallen der Peitsche: schneller, schneller! billiger, billiger!"), überwacht und durchsetzt von Compliance und Controlling, vor allem eines voran treiben: die McDonaldisierung der Wirtschaft.

Mit anderen Worten: Alles und jeder wird immer austauschbarer, bis eines Tages wirklich alles durch Roboter und künstliche Intelligenz erledigt werden kann. Der/die denkende, kreative und aktiv gestaltende Mitarbeiter*in ist dabei nur im Weg. Ausführende und schlichtweg funktionierende Menschen sind offensichtlich das Credo der Stunde. Wildgänse sind nicht erwünscht und wenn überhaupt, nur jene, die im Schwarm in die gleiche Richtung fliegen. Zumindest das!

Neues aber könne und werde so nicht entstehen, erklärte Dueck auf seine wunderbar spitzfindige und temperamentvolle Weise. Sind damit eventuell vorgetragene Sorgen, inwieweit Künstliche Intelligenz in unser Leben in der Zukunft eingreifen könnte, nur geheuchelt, da eigentlich erwünscht? Und wie kann es sein, dass gerade das, wodurch wir uns als wirtschaftliche Akteure, Institutionen und Menschen unterscheiden können, nämlich die persönliche Begegnung und der Austausch, durch starre Prozesse und Korsagen, immer weniger möglich wird?

Liegt unsere Zukunft wirklich darin, persönliche Kontakte und Gespräche in Kosten pro Minute quasi als Opportunitätskosten zu kalkulieren, zu minimieren und zu optimieren? Das klingt nicht schön, scheint aber vielerorts momentan traurige und gelebte Realität zu sein. Doch keine Angst, Gunter Dueck lässt uns nicht verzweifeln. Wenn man seine klare Analyse als Warnung versteht, dann ist sie unser Auftrag, den Fokus wieder auf den Menschen in seiner ganzen kreativen und wertschöpfenden Vielfalt zu lenken.

 

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