Der Kreativität auf der Spur - mit Freya Bußmann
von Beke Alberring
30s Take Aways
Keine Zeit für den ganzen Artikel? Hier die wichtigsten Erkenntnisse in 30 Sekunden:
Wie versteht Freya Bußmann Kreativität im Eventkontext?
Kreativität bedeutet für sie, Verbindungen zwischen Ideen zu schaffen und Botschaften in emotionale, erlebbare Eventformate zu übersetzen.
Wie entstehen kreative Ideen im Eventbereich?
In ruhigen Momenten und Zwischenräumen sowie durch äußere Impulse wie Architektur, urbane Eindrücke und Austausch mit anderen.
Wie läuft ein kreativer Prozess bei Eventprojekten ab?
Der Prozess startet mit dem Verstehen von Marke und Ziel, danach werden Ideen schnell visualisiert und strukturiert weiterentwickelt.
Was macht erfolgreiche Team-Kreativität aus?
Vielfalt, offener Austausch und das Zulassen von Ideen – auch ungewöhnlichen. Reibung im Team führt oft zu besseren Ergebnissen.
Welche Rolle spielt KI im kreativen Prozess?
KI ist ein Beschleuniger und Sparringspartner, unterstützt bei der Weiterentwicklung von Ideen – die kreative Dramaturgie bleibt menschlich.
In unserer Reihe „Der Kreativität auf der Spur“ gehen wir dem Thema Kreativität auf ganz unterschiedliche Art und Weise entgegen. Mit Freya Bußmann haben wir eine erfahrene Eventregisseurin befragt, die schon bei einigen unserer Veranstaltungen neben, hinter, vor oder auf der Bühne für den perfekten Ablauf gesorgt hat. Als kreative Schnittstelle zwischen Konzept, Produktion und Inszenierung hat sie einen ganz besonderen Blick auf das Thema Kreativität – gepaart mit ihrem Gespür für Timing, Dramaturgie und Dynamik auf der Bühne sind das sie besten Voraussetzungen, um mit ihr darüber zu sprechen, wie man Visionen zum Leben erweckt.
Kreativität im Alltag
Beke: Was bedeutet Kreativität für dich persönlich?
Freya: Kreativität ... das ist so ein großes Wort. Bezogen auf unsere Arbeit bedeutet es für mich die Fähigkeit, Punkte mutig zu verbinden. Punkte, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zwingend was miteinander zu tun haben. In der Eventbranche heißt das konkret: Wie übersetze ich diese eine Ziel-Botschaft in ein Erlebnis? Etwas, das die Menschen emotional packt und – im Idealfall – wirklich alle Sinne anregt und in Erinnerung bleibt.
Beke: Wann und wodurch entstehen bei dir kreative Impulse – gibt es typische Momente, Orte oder Einflüsse?
Freya: Das ist ganz unterschiedlich, allein schon, weil der Beruf so unterschiedliche Herausforderungen und keine wirkliche Struktur mit sich bringt, die jeden Tag gleich ist. Oft entstehen Ideen aber früh morgens, wenn die Welt noch schläft, bevor der Mail-Alltag startet und der Kopf noch frei ist. Aber genauso entstehen sie in Zwischenräumen – im Zug, beim Blick aus dem Fenster oder genau dann, wenn man eigentlich gerade nichts „aktiv“ macht.
Gleichzeitig sind es vor allem äußere Impulse, die mich inspirieren. Architektur und die Dynamik im öffentlichen Raum, neue Graffitis oder Installationen sind Dinge, die ich unterbewusst abspeichere und später wieder abrufe. Dafür liebe ich Köln – die Stadt lebt einfach!
Bei der Arbeit selbst ist es dann vor allem die Freude an der Vielfalt und der ständige Austausch, der immer wieder neue Impulse gibt. Ich empfinde es als echtes Glück, mit so unterschiedlichen Kreativen, Kunden und Partnern arbeiten zu dürfen. Dieser Dialog hält lebendig.
Prozesse und Methoden
Beke: Wie gehst du ein neues kreatives Projekt an und welche Tools oder Methoden helfen dir dabei konkret?
Freya: Am Anfang steht für mich immer: zuhören und verstehen. Es geht darum, den Kern und den Spirit des Kunden zu greifen. Ein Blick auf die Werbung, die Website, die Bildsprache oder andere Unterlagen helfen extrem, sich in die Markenwelt und deren Sprache einzufühlen.
Alles, was ich in diesem Moment empfinde, muss dann erst mal raus, damit ein echtes Gefühl für den Kunden entsteht. Hier nutze ich das, was gerade hilft, um die Idee greifbar zu machen. Manchmal ist es ein Moodboard, manchmal einfach eine gezielte Bildrecherche im Netz, wenn ich einen bestimmten visuellen Anker im Kopf habe – wie ein cooles Setting, das ich mal irgendwo gesehen habe. Inzwischen nehme ich auch oft KI dazu, um Bildideen oder Texte schnell mal auszuprobieren.
Am Ende wird alles strukturiert – zum Beispiel in PowerPoint oder Tools wie Trello. Ich gehe den Ablauf im Kopf dann einfach immer wieder durch und schaue, ob das Gefühl von vorne bis hinten stimmt.
Beke: Was tust du, wenn’s mal klemmt – wenn der kreative Flow ausbleibt?
Freya: Wenn die Zeit drückt, trickse ich mein Gehirn kurz aus: Kopf in den Nacken, Hände reiben, Fokus kurz auf was völlig anderes. Das bricht die Starre im Kopf. Habe ich mehr Spielraum, ist Sport mein absoluter Retter – ich habe gerade Spinning für mich entdeckt (der ultimative Millennial-Klassiker, nach Reformer und der heiligen Siebträgermaschine 😉). Kopfhörer auf, Widerstand hoch und den Kopf komplett leerfahren.
Das bringt mich in diesen Modus, in dem man vermeintlich nichts tut, während das Unterbewusstsein im Hintergrund massiv die Fäden neu verknüpft. Danach ordnen sich die Dinge meistens wie von selbst. Und was eigentlich immer geht: MUSIK AN, egal wann und wo.
Kreativität im Team
Beke: Was braucht es für dich, damit Kreativität im Team entsteht und was macht für dich ein wirklich kreatives Umfeld aus?
Freya: Ein kreatives Umfeld lebt für mich von der Unterschiedlichkeit. Wir alle haben verschiedene Schwerpunkte, Interessen und Ansichten – und genau diese Vielfalt muss auch laut werden dürfen. Für mich ist ein Team wie eine gute Playlist: Die Mischung macht’s. Dazu gehört für mich auch der Austausch außerhalb der klassischen „Bubble“ – egal ob beruflich oder privat. Sich mit Menschen zu unterhalten, die andere Jobs, Ansichten oder Schwerpunkte haben und sich für völlig andere Dinge begeistern, ist inspirierend. Offen bleiben und sich Dinge anschauen, zum Beispiel in ein Theaterstück gehen, auch wenn es einem vielleicht erst mal nicht zusagt. Nicht direkt „Nein“ zu sagen. Also kurz: Vielfalt!
Gleichzeitig braucht es einen Raum, in dem sich jeder traut, Ideen zu äußern – auch die vermeintlich absurden, ohne dass sofort die „Geht-nicht-wegen-Budget“-Keule geschwungen wird. Killt man die Idee zu früh, killt man den Prozess. Und ich mag eine Prise gesunde Reibung. Reibung erzeugt Wärme, und Wärme ist Energie. Wenn wir uns konstruktiv challengen, entstehen oft die Dinge, auf die man alleine im stillen Kämmerlein nie gekommen wäre.
Kreativität und KI
Beke: Hast du bereits mit KI-Tools im Bereich Kreativität gearbeitet? Wenn ja, wie und bei welchen Aufgaben?
Freya: Absolut. Ich nutze KI vor allem für die visuelle Kommunikation. Früher habe ich Moods für Bühnenbilder mühsam aus unzähligen Stockfotos zusammengebastelt – heute generiere ich diese Bilder teilweise selbst.
Anfangs war ich bei der reinen Ideenfindung eher ernüchtert, aber inzwischen ist die KI für mich ein wertvoller Sparringspartner geworden. Ich nutze sie für Storyboards und vor allem für die Weiterentwicklung von Gedanken, nicht zwingend für den ersten Grundgedanken- aber in der Weiterentwicklung. Meine Neuentdeckung ist hier ganz klar Gemini. Im Vergleich zu ChatGPT fühlen sich die Ergebnisse für mich aktuell stimmiger und intuitiver an. Es hilft enorm dabei, eine Idee zu schärfen und konsequent weiterzudenken.
Beke: Wie verändert sich dein kreatives Arbeiten durch den Einsatz solcher Tools und wie siehst du hier die Zukunft?
Freya: KI ist für mich vor allem ein Beschleuniger – so wie es früher das Internet oder WhatsApp waren. Sie nimmt mir das Handwerkliche ab und schafft Raum für das Strategische. Zugegeben: Bei dem aktuellen Tempo kommt man kaum allein hinterher. Damit aus dem ‚Wow-Moment‘ keine Überforderung wird, nutze ich Impulse wie den Podcast ‚Wunderpanik‘, um up-to-date zu bleiben und die KI als echten Sparringspartner einzusetzen. Aber eines bleibt: Die emotionale Dramaturgie und das Gespür für den Moment im Saal sind und bleiben Handarbeit!
Beke: Ersetzt oder ergänzt: Siehst du KI eher als Konkurrenz oder als kreative Katalysator?
Freya: Schwierige Frage ... ich denke, sie ist beides, je nachdem, wo man hinschaut. Aber für uns Menschen ist es wahrscheinlich am gesündesten, sie als Katalysator zu sehen – und trotzdem immer kritisch zu bleiben. KI bedeutet erst mal Veränderung, und das erfordert Mut, weil sie uns zwingt, uns mit ihr weiterzuentwickeln.
Ich sehe es aktuell so: Die KI ist wie ein extrem schneller Praktikant, der 1.000 Ideen in 10 Sekunden raushaut. Aber das Kuratieren und das Einhauchen der ‚Seele‘ bleibt unser Job. Ein KI-Experte sagte mir mal: ‚Die KI wird einen Ball niemals als Stuhl sehen‘ – wir schon. Wir können zweckentfremden, um die Ecke denken und emotional interpretieren. Ob sich das irgendwann ändert, werden wir sehen, aber aktuell ist genau das unsere größte Stärke
Beke: Was war dein überraschendster oder hilfreichster Aha-Moment mit KI im kreativen Prozess?
Freya: Mein größter Aha-Moment war die Erkenntnis, wie unfassbar schnell eine KI lernt – je nachdem, wie sie aufgebaut und wo sie angedockt ist. Das Tempo ist absolut beeindruckend. Gleichzeitig kam aber auch die wichtige Ernüchterung: Zu verstehen, dass eine KI massiv ‚halluzinieren‘ kann. Man darf sich nie zu 100 % blind auf sie verlassen; sie ist kein Ersatz für den eigenen Kopf oder den finalen Faktencheck. Dieser Moment hat mir klargemacht: Die KI liefert die PS, aber die Lenkung und die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei uns Menschen. Zumindest in unserem Kontext.
Kreativität im Strukturieren - „Wie entsteht kreative Struktur?“
Beke: Wie schaffst du Struktur – sowohl in kreativen Prozessen als auch beim Projektstart?
Freya: Indem ich Leitplanken setze. Struktur ist für mich das Gerüst, das Kreativität erst möglich macht – und das schon lange vor dem ersten Einsatztag. Das gesamte Team muss frühzeitig an Bord geholt werden, denn erst wenn alle wirklich verstanden haben, was wir erreichen wollen, in welchem Zeitrahmen wir uns bewegen und warum wir diesen Weg gehen, können wir effizient starten. Ein Projekt ist kein Sololauf – es funktioniert nur, wenn die Vorbereitung eine gemeinsame Basis schafft, auf die sich jeder im Team verlassen kann.
Wenn es wuselig wird, hilft der Blick von oben: Themen sortieren, das große Ganze scharf stellen und vor allem klare Schnittstellen bilden. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem alle Partner wissen, wo die Reise hingeht – und sich innerhalb dieser Grenzen wieder frei entfalten zu können.
Beke: Welche Tools helfen dir, kreative Teams strukturiert zu führen?
Freya: In PPT mag ich beispielsweise Farbcodes, Personen-Tags und To-do-Buttons. So kann man den Status quo für alle sofort sichtbar machen. Wichtig ist ein zentraler Ankerpunkt für das gesamte Material – von der KI-Recherche bis zum Bilder-Pool. Hier finde ich Miro für den Start super, um frei auszuarbeiten und dann die konkrete Übertragung in die Präsentation vorzunehmen.
Beke: Was ist deine Lieblingsphase in der Projektplanung – und warum?
Freya: Als Ablaufregisseurin schlägt mein Herz am höchsten, wenn es in die heiße Phase der Umsetzung geht. Wenn alle Beteiligten – vom Operator über den Messebau bis zu den Künstlern – an Bord kommen, die Kreativität Gestalt annimmt und die Show langsam greifbar wird. Es ist der Moment, in dem die Theorie zur Praxis wird und jeder Einzelne seinen Platz und seine Wichtigkeit bekommt. Wenn aus vielen kleinen Einzelteilen dieses eine große Ganze entsteht, ist das für mich pure Magie.
Beke: Wie bleibst du in durchgetakteten Abläufen flexibel und wo zeigt sich für dich gerade in solchen vermeintlich rein organisatorischen Situationen Kreativität?
Freya: Es muss auch in durchgetakteten Abläufen Raum für Spontanität geben. Ein Regieplan ist das Fundament, aber egal wie durchgetaktet alles ist: Vor Ort sieht man erst wirklich, ob die Übergänge sauber sitzen und alles richtig ineinandergreift. Wenn etwas nicht passt, gehört für mich der Mut dazu, Abläufe und Bausteine auch unter Zeitdruck noch einmal anzupassen. Kreativität bedeutet für mich nicht nur, etwas Schönes zu erschaffen, sondern auch unter Druck neue Wege zu finden, damit das Ergebnis am Ende trotz Herausforderungen begeistert
Besonders, wenn auf einmal Probleme aufkommen, muss man in der Lage sein, diese kreativ zu lösen. Wenn das Budget plötzlich gekürzt wird oder ein Speaker ausfällt, wird Logistik zu purer Kreativität. Sie zeigt sich für mich auch in den kleinen Details – in dieser ‚Alltagskreativität‘. Oft sind es die kleinen Zutaten, die eine riesige Wirkung haben und ein Projekt besonders machen.
Wer noch mehr zum Thema Kreativität erfahren möchte, schaut am besten bei den zwei vorherigen Teilen der Serie „Der Kreativität auf der Spur“ vorbei. Von Chris Cuhls haben wir alles zum Thema Ablaufregie als Basis für präzise Abläufe, klare Dramaturgie und wirkungsvolle Momente erfahren und im Artikel mit Philipp Reimer ging es darum, wie diese Momente mit der Kamera eingefangen werden können. Viel Spaß, wenn ihr euch auf die Spur der Kreativität macht!
Über Freya Bußmann
Eventregisseurin, Dramaturgin & Beraterin
Freya Bußmann entwickelt und inszeniert Events, die aus Ideen erlebbare Momente machen. Als Eventregisseurin verbindet sie dramaturgisches Denken mit operativer Präzision und begleitet Projekte ganzheitlich – von der konzeptionellen Entwicklung bis zur Umsetzung vor Ort. Ihr Fokus liegt darauf, Inhalte so zu inszenieren, dass sie emotional wirken, klar verständlich sind und im Zusammenspiel aus Technik, Bühne und Menschen nahtlos funktionieren. Dabei versteht sie sich als kreative Schnittstelle zwischen Konzept, Produktion und Inszenierung – mit einem besonderen Gespür für Timing, Dramaturgie und die Dynamik auf der Bühne.
Schwerpunkte: Eventregie & Showcalling, Dramaturgie & Inszenierung, Konzeption von Live- und Corporate-Events, Pitch- und Contententwicklung, Schnittstellenkoordination & Umsetzung vor Ort
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